Ich nenne es einfach „Manila“

Manila.

Laut. Eng. Ereignisreich. Leben. Viel Leben. Leblosigkeit. Tod. Dunkelheit. Depression. Chaos. Action. Lügen. Vielfältigkeit. Möglichkeiten. Verkehrschaos. Druck. Erwartungen. Hoffnungslosigkeit. Luftverschmutzung. Müll. High Society. Gefängnis. 

Das ist für mich Manila, wenn ich einfach losschreibe.

Knapp eineinhalb Jahre bin ich nun an diesem Ort, für den Gott mir am 19. April 2017 eine Vision gab. Der Ort, der so gar nicht mein Fleckchen Erde ist aber für den mir Gott ganz besonders stark seine Liebe ins Herz gelegt hat. Seine Liebe ist es, die mich hier hält – die mich all das Wertvolle hier sehen lässt. Seine Liebe lässt mich Farben im Elend sehen. Wertvolles Leben unter so viel Ungerechtigkeit, Hinterhältigkeit, Egoismus, Neid und Betrug. 

2019 ist schon wieder nicht mehr zu vergleichen mit 2018. Ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll und bin erleichtert, wenn ich in Deutschland die Möglichkeit habe, persönlich zu Euch zu sprechen… denn das, was hier seit dem 23. Januar 2019 vor sich gegangen ist, ist nicht in einen Text zu fassen. Wir dachten, der Februar sei hart gewesen. Wir trafen unser plötzlich verschimmeltes und von Kakerlaken übersätes Zuhause an (Trotz Caretaker!) Ein Fieber jagte das Nächste und es gab kaum einen Tag an dem nicht einer von uns krank war. Zwischenmenschlich hatte sich plötzlich einiges zum Negativen (oder Herausfordernden?) geändert und viele Beziehungen sind abgebrochen. Wir spürten die Dunkelheit, das Leid, die Kälte, die Perspektivlosigkeit und auch Hoffnungslosigkeit vieler vertrauter Menschen.

Was war hier passiert?

Und wo ist meine eigene Energie aufzustehen und etwas zu tun? 

Wo soll ich anfangen, etwas zu tun und was ist Gottes roter Faden in all diesem dunklen Chaos?

Es schien undurchdringlich. Vernebelt. 

 Laura und mir wurde einmal mehr bewusst: Wir müssen eine Einheit bilden. Wenn es zwischen uns nicht stimmt, haben wir gar keine Chance.

 Wir waren einmal mehr darauf bedacht, in gesunder Kommunikation zu bleiben, gemeinsame Ruhe- und Freundschaftszeiten einzuplanen und gezielt um Liebe, Geduld und Verständnis für den anderen zu beten. Unsere Freundschaft wurde durch viele Prüfungen unglaublich stark und wir schätzen unsere Gegensätze sehr. Das geschah und geschieht nicht durch einen netten Cappucchino im Eckcafe – nein! Dieser Schleifprozess geschieht in den Momenten, wo du am Rande deiner Kräfte angekommen bist, wenn das Leben dich fordert, wenn die Konzentration nachlässt, wenn du der Dunkelheit ins Auge blickst, wenn der andere dich enttäuscht oder ungerecht behandelt, wenn du dich unverstanden fühlst, wenn das Leid über dich hineinbricht. 

Unsere Freundschaft und unsere Sozialkompetenzen bekamen ein ganz besonderes Coaching und von Langeweile konnte nie die Rede sein. 

Wir erlebten einen bunt gemischten Monat März mit vielen Helfern aus Deutschland. Im März ging es los, dass wir unseren philippinischen Volunteers immer mehr Verantwortung übertragen konnten und sie sich in vielen Ministries ausprobieren und gleichzeitig unsere deutschen Volunteers anleiten durften. Uns liegt es am Herzen, deutschen Besuchern nicht ein vorgefertigtes Programm zu bieten, sondern das wahre unverfälschte Leben, nah an unseren philippinischen Freunden, wie es hier nun einmal wirklich ist, zu ermöglichen. Wer zu buhay kommt, wird nicht in vorgefertigte Vorstellungen gepresst, sondern mit ins Leben genommen. Dazu bleibt mir nur eins zu sagen: Unerwartetes kann man nicht planen. 

Wir erwarteten einen ruhigeren April in dem wir viel ordnen wollten und Zeit mit Freunden verbringen wollten. Naja, ich sag mal so… Unerwartetes kann man nicht planen. Wir verbrachten 5 Tage auf Palawan, um dort meinen Geburtstag mit Freunden zu feiern und ein wenig Abstand zu bekommen. Wir waren eine Gruppe von 4 Leuten und 4 der 5 Tage waren 3 von uns krank. Lebensmittelvergiftung. Alle zur gleichen Zeit. Schmerzen und Gefühle, die niemand von uns so schon einmal durchlitten hat. Wir nennen es nur noch: Die Horrorinsel. Ich möchte an diesem Punkt nicht ins Detail gehen. Wir kamen erschöpfter wieder, als wir abgeflogen waren. 

Zurück im Leben in Manila hatten wir plötzlich eine neue Wohngemeinschaft. Wie es dazu kam, werdet ihr in Deutschland persönlich hören. Depression, Trauma, Selbstmordversuche, Dunkelheit, Tränen, Verzweiflung – plötzlich unser Alltag.

Unerwartetes kann man nicht planen.

Wisst ihr, was so gut ist? Das muss ich auch gar nicht.

Jesus hat es vorher gesehen. Er hatte es geplant und uns vorbereitet. Es geht nicht darum, alles planen und kontrollieren zu müssen. Es geht darum, Jesus zu kennen, der alles vorbereitet und geplant hat. Im Endeffekt hat er alles in der Hand und es ist sein Projekt und es sind seine Söhne und Töchter. Er sieht das große Bild und gibt allem einen Sinn. 4 bis 7 Jugendliche wohnen nun mit in unserer Anlage (im Appartement nebenan) und erleben hautnah die Kulturunterschiede von Deutschland und den Philippinen. Plötzlich hast du erwachsene Kinder, die dich Mommy nennen. Jeder der Jungs steht woanders im Leben und daraus entstand unser neues Lifesharing Project: Storytelling.

Es geht nicht um deine Umstände, um deine vermeintlichen Fehler oder Erfolge. Es geht um Gottes Story in deinem Leben. Auch dazu mehr in Deutschland. Manche der Jungs werden in ärztliche Behandlung kommen, andere benötigen „einfach“ Struktur im Leben. Es werden Bewerbungen geschrieben, die Schule neu begonnen und ein Alltag gestaltet. Ihr größtes Verlangen? Liebe und Annahme. Das steht ganz oben. Du bist kein Fehler. Du bist wertvoll. Deine Vergangenheit bestimmt nicht deine Zukunft. Vergebung ist möglich. Neuanfang ist möglich. Heilung ist möglich. Wir wollen einen Alltag bieten, der widerspiegelt, dass wir Körper, Geist und Seele sind. Gesunde Ernährung, Bewegung, Verantwortung, Herausforderung, Erholung und Ehrlichkeit. Während ich das so schreibe, muss ich grinsen, wenn ich daran denke, dass ich bald auf Schulveranstaltungen und Elternabenden sein werde, da ich Troys „Guardian“ in seiner neuen Schule sein werde. Verrückt, wie sich das Leben plötzlich ändern kann. Verrückt, worauf Gott uns bereits lange vorbereitet hat. Verrückt, was er uns zumutet und zutraut. Nun gut, wenn er die Wege so führt sind wir natürlich (gerne) dabei: 

Denn was wir sind, ist Gottes Werk; er hat uns durch Jesus Christus dazu geschaffen, das zu tun, was gut und richtig ist. Gott hat alles, was wir tun sollen, vorbereitet; an uns ist es nun, das Vorbereitete auszuführen.

Epheser 2, 10

An dieser Wahrheit wollen wir festhalten, auch im Hinblick auf die Zukunft. Er bereitet vor. Er bereitet jetzt schon vor. Er rüstet uns aus mit allem, was wir brauchen. Wir dürfen mutig und stark vorangehen und in seinen Werken wandeln. (Nicht sie vorher durchplanen, kontrollieren, abwägen und uns sorgen!) Wandeln!

Bald geht es wieder los nach Deutschland und eine spannende Zeit liegt vor uns: Predigten, Buhay Abende, Schuleinsätze, Touren, ein Buhay PoetrySlam, ein Buhay Magazin und vieles mehr… 

Manchmal scheint sich alles zu überschlagen: Persönlich, in Buhay, im Leben. Und immer wieder spreche ich mir meine persönliche Liedzeile aus dem Lied „Do it again“ zu: Your Promise still stands, great is your Faithfulness. I am still in your Hands – This is my confidence. You have never failed me yet. (Elevation Worship – Do it Again)

Ich freu mich auf euch. 

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