Gedanken

Weitere spannende Tage liegen hinter uns und es gibt einige Gedanken, die wir gerne mit euch teilen wollen. Es geht primär gar nicht darum, die Aktivitäten der letzten Zeit aufzuzählen, sondern viel mehr um unsere Gedanken dazu.

Vorab möchten wir euch aber gerne ein paar Informationen über die Gemeinde in unserer Straße geben. Wie ihr in den ersten beiden Einträgen lesen konntet, leben wir zurzeit in Rosario, einem Stadtteil im Osten der Hauptstadt Manila. Unsere Nachbarschaft ist ein Armenviertel und sobald wir diesen Bezirk verlassen, wird uns mehr als deutlich, was die Einheimischen damit meinten, als sie uns vor der Reise sagten: „Wenn ihr in Rosario lebt, werdet ihr direkt in der Armut leben.“ Fünf Minuten Fußweg von uns entfernt befindet sich eine Gemeinde (Redeemed Christian Fellowship of Pasig Rosario), die von einem unserer Ansprechpartner, Pastor Ariel, geleitet wird. Teilweise verbringen wir Zeit damit, die Einheimischen (unsere Ansprechpartner der Schule und Kirche) in ihren bestehenden Ministries (Ehrenämter in den Armenvierteln) zu unterstützen, teilweise setzen wir eigene Ideen um und freuen uns, sie in unserem Team mit dabei haben zu dürfen. Besonders am Herzen liegt uns der Outreach am Samstag. In vorherigen Blogeinträgen und Bildern konntet ihr bereits einige Eindrücke sammeln. Wir kaufen für die Kinder ein, treffen sie in ihrem Bezirk und versammeln uns vor dem Haus einer Freundin. Dort wird gesungen, getanzt, gemalt, Englisch, Deutsch und Tagalog geübt und von Jesus erzählt. Es ist sehr schön, wöchentlich sowohl den Samstag als auch den Sonntag mit diesen Kindern zu verbringen.

In der Gemeinde befindet sich gleichzeitig eine kleine Schule, die es einigen Kindern ermöglicht eine gute Schulbildung für weniger Geld zu bekommen. Durch Schulausflüge, Lehrerkonferenzen, eigene Unterrichtsstunden und Freizeitaktivitäten haben wir einen guten Einblick in die Arbeit bekommen. Die regulären Schulgebühren sind für einen Großteil dieser Familien viel zu hoch und es berührt uns sehr, zu sehen, dass auch diese Kinder hier eine Chance kriegen, gefördert zu werden. Durch die enge Zusammenarbeit werden uns die finanziellen Nöte der Familien immer wieder vor Augen geführt. Sicherlich wäre hier eine längerfristige finanzielle Unterstützung sinnvoll, aber das wird jetzt noch nicht entschieden. Ihr könnt euch vorstellen, wie viele sinnvolle Investitionen es hier gäbe. Wir finden es sehr wichtig, erste Eindrücke und Emotionen sacken zu lassen und bloß nicht aus ersten Gefühlen heraus, große Entscheidungen zu treffen.

Seitdem wir hier sind, schauen wir uns bewusst an verschiedenen Einsatzorten um, und lernen verschiedene interessante Menschen kennen und erleben eine besondere Freiheit. Notsituationen begegnen uns an jeder Ecke. Wir machen uns ein Bild über die verschiedenen Bedürfnisse und nehmen jedes einzelne täglich mit ins Gebet:

Man nennt ihn »Wunderbarer Ratgeber«, »Starker Gott«, »Ewiger Vater«, »Friedensfürst« (Jesaja 9,4).

Gestern durften wir die Equippers Gemeinde in Marikina kennenlernen. Es war wie ein Stück Heimat und ich konnte förmlich spüren, wie meine Seele aufatmete. Als wir Pastor John kennenlernten, sagte er: Ihr seid keine Gäste, ihr seid Familie. Genauso wurden wir auch bis zur letzten Sekunde behandelt. Mit John und seiner Gemeinde haben wir neue Freunde gefunden, die uns in jeder Lage mit Rat und Tat zur Seite stehen wollen. Wir sind sehr interessiert daran, uns ihre Einsatzgebiete anzusehen. Warum uns diese Gemeinde besonders bewegt hat? An diesem Ort waren unheimlich viele Kinder und Jugendliche, die normalerweise zu dieser Zeit auf der Straße verweilen würden. Zu sehen, wie diesen Menschen hier Wertschätzung, Liebe und Mut entgegengebracht wird, bewegte uns sehr. Wir freuen uns auf einen weiteren gemeinsamen Sonntag und weitere Schritte.

Jeder von uns erlebt unsere ersten Orientierungswochen hier als Charakter- und Kulturschule. Wir üben es immer wieder innerhalb des Teams über unsere Schwächen und Nöte zu sprechen. Jeder von uns möchte sich weiterentwickeln und sehen, was Gott mit jedem einzelnen vorhat. Wir wollen als Buhayteam eine starke Einheit bilden und das Projekt sicher führen.

Ein Thema beschäftigt uns als Team sehr: Den Einzelnen sehen. Natürlich beschäftigen wir uns mit der Frage: Was wird unsere Langzeitinvestition sein? An welchem Ort werden wir uns für längere Zeit niederlassen? Wird eine Schule unser Schwerpunkt sein?

Jeder von uns spürt den Herzschlag von buhay in den Begegnungen mit den einzelnen Menschen. Die blinde Frau auf der Brücke, das 4-jährige Mädchen, das nachts unter der Brücke allein im Schlamm wühlt, die Frau, die mit einer tiefen Wunde im Fuß vor uns steht, der Familienvater, der Milch für sein Baby braucht, die Familienmutter, die Unterstützung bei ihrer Krebsbehandlung benötigt. Lebte Jesus nicht auch diesen Stil? Er stellte Kinder in die Mitte, sah den Einzelnen und half direkt, ohne zuerst den langfristigen Erfolg davon abzuwägen. Ich denke viel an die Worte von Uwe Schäfer: „Oft werde ich kritisiert, wenn ich Obdachlosen Geld gebe, aber ich denke mir: Und wenn er das Geld in meinen Augen falsch investiert, durfte ich ihm trotzdem eine Begegnung schenken. Er durfte erleben, nicht wieder übersehen und geringgeschätzt zu werden.“ Diese Sätze schwirren immer wieder in uns umher. Ich schaue zurück auf die letzten Wochen und die vielen Treffen, die wir mit einem Filipino aus dem Nachbarort hatten. Sicherlich fiel es mir manchmal schwer mehr als fünf Stunden zuzuhören, sicherlich wurde ich müde, sicherlich wurde dafür der ein oder andere Einsatz verschoben aber wir proklamieren täglich neu: Unser wichtigstes Ministry sind die Menschen. Gestern erhielten wir eine Nachricht. Jemand schrieb uns: „Ich danke Gott so sehr für buhay. Ich durfte in meinem Leben ganz neu anfangen und Gott neu erkennen. Noch nie hat sich jemand so viel Zeit für mich genommen und ich bin einfach nur dankbar.“

Mit diesen Zeilen wollen wir uns keineswegs selbst auf die Schultern klopfen. Wir bemerken jedoch immer mehr, wie sehr uns dieser Lebensstil bewegt. Die unerwartete Begegnung mit dem Einzelnen, die Macht des Ermutigens oder eines Lächelns. Gedanken, die wir unbedingt mit euch teilen wollen.

Einen weiteren Eintrag und das nächste Video haben wir für Ende Februar geplant. Dort werden wir euch auch unter anderem von Sheelina erzählen. Sie ist an Krebs erkrankt, Mutter von zwei Kindern und Lehrerin in unserer Nachbarschaft. Für März sind bereits einige Ministries geplant und wir freuen uns sehr darauf, mit unseren neuen Freunden aus Laguna und Marikina zusammenzuarbeiten.

Bis jetzt planen wir nicht über den April hinaus und nehmen uns die Zeit bis dahin weiter als Orientierungsphase.

Comments.

  • Hallo Joni – Hallo Moritz
    wie schön, die Bilder zu sehen und einen Eindruck davon zu bekommen, wie es Euch ergeht und womit Ihr Eure Tage füllt.
    Wieviel Freude Ihr schon machen konntet – wo Ihr geholfen habt und all die vielen Begegnungen mit den Menschen dort
    Es ist toll zu hören, wie Gott alles dort für Euch schon vorbereitet hat – und Ihr weiterhin offen dafür bleibt, was seine Ideen für Euch sind und wo er Euch über die alltäglichen Begegnungen hinaus für die Menschen dort zu einem Segen machen will – im Gebet verbunden – be blessed
    Grüße aus dem frostigen Hüwa – Birgitt

    • Liebe Birgitt! Wie schön hier deine Zeilen zu lesen! So cool hier so verbunden zu sein. Gerade arbeiten wir an weiteren Videos und dem Blogeintrag. Voll schön, dass Du uns verfolgst, danke!! <3

  • Joachim Burghoff

    Hallo zusammen und viele Grüße aus Hückeswagen.
    Ich möchte euch sagen, das ihr mir ein großes Vorbild seid in dem was ihr macht,
    so „einfach“ wegzugehen um andere zu helfen und dann auch noch nach Asien.
    Respekt!
    Ich wünsche euch für eure Arbeit von ganzem Herzen alles Gute, Gesundheit und immer auch ein bisschen Zeit für euch. Ich brauch euch nicht Gottes Beistand und Segen wünschen, weil ich weiß das er bei euch ist!! Er wird bei euch sein auch wenn’s mal dicke kommt!
    Habt vertrauen zu ihm, ich möchte und werde für euch und eure Arbeit beten!
    Liebe Grüße Joachim

    • Lieber Joachim! Deine Zeilen haben uns alle sehr berührt! Das tat jetzt sehr gut! Solche Zeilen bewirken oft mehr, als man zuerst denkt!

      Wir senden dir ganz liebe verbundene Grüße aus Manila!!

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