Ein unvergessliches Jahr

Genau vor einem Jahr (19.04.2017) sprach Gott zu mir mit den Worten:
Geh in die Armenviertel der Philippinen und frag sie: Was braucht ihr?
Diese Frage scheint für eine Vision etwas banal aber vom ersten Moment an wusste ich, dass es ernst gemeint war.
Joana: Also du willst jetzt, dass ich meinen Job und meine Wohnung kündige, auf die Philippinen reise, und einfach Frage, was gebraucht wird?
Gott: Ja. Ich werde mich um alles andere kümmern. Vertraust Du mir?
Du fühlst dich noch so unendlich weit weg von dem, was Gott dir gerade auf dein Herz gelegt hat, und trotzdem hatte ich diese tiefe Gewissheit, dass sich ab jetzt einiges ändern würde. Mit all meinen Fragen ging ich zu ihm, unter anderem auch mit einer für mich äußerst wichtigen: Wer kommt denn mit?

Während einer meiner Gebetszeiten zeigte Gott mir ein Bild, in dem Moritz Kruschinski, Jenny Fischer und Petra Flockenhaus mit mir in Asien stehen und eine Gruppe von Menschen fragen: Was braucht ihr?
Als wäre seine Vision nicht schon abstrakt genug gewesen, fragte ich mich, wie das bitte Wirklichkeit werden solle. Die drei haben überhaupt nichts miteinander zu tun, teilweise kennen sie sich nicht einmal und jeder Einzelne hatte gerade einen komplett anderen Schwerpunkt im Leben, der mit den Armenvierteln der Philippinen ziemlich wenig zu tun hatte. Ich erinnere mich noch genau daran, wie Gott sprach:
Erzähl ihnen einfach, was Du gesehen hast und ich werde den Rest tun.

Alles klar, ich hielt mich genau daran und schrieb ihnen noch in derselben Nacht eine Nachricht, was sie denn von dieser Idee halten würden. Überschwängliche Begeisterung sieht anders aus. Zu dieser Nacht hat jeder seine eigene Story. Schreibt die drei oder mich gerne an, falls ihr mehr erfahren wollt. Das würde hier jetzt den Rahmen sprengen. Ich kann nur so viel sagen, dass jeder der Drei bereits hier war.
Obwohl ich schon einige Schritte eingeleitet hatte, musste ich weiterhin für mich Klarheit finden und ich rang viel mit Gott, fastete, betete. Die Frage: „Wieso denn ohne Organisation“ wird in einem anderen Blogeintrag beantwortet.

Am 30.04.2017 besuchte ich eine Worship Night und suchte mir einen Ansprechpartner. Ich sagte: Wenn es Gott ist, der mir diese Vision gegeben hat, dann bin ich sofort bereit, zu gehen. In diesem Fall möchte ich es aber ganz genau wissen. Ich liebe meinen Job und meine Wohnung und kann mir gerade etwas Schöneres vorstellen, als von meiner 5 Tage alten Nichte wegzugehen.

Ich erinnere mich, dass es Monika Meiners war, der ich im Mai 2017 das erste Mal ganz zaghaft von meiner Vision erzählte. Es war unglaublich, wie sie es auffasste und direkt als klare Sache behandelte und die ersten 10 € halb ernst, halb aus Spaß investierte: „Mit 10 € fing alles an.“

Kurz darauf besuchte mich Laura Pier und mit Herzklopfen und einem Kloß im Hals erzählte ich ihr was mir auf dem Herzen lag. Es war, als hätten wir uns extra für buhay getroffen. Innerhalb einer Stunde stand der erste grobe Entwurf und plötzlich wurde eine Vision immer greifbarer. Plötzlich war ich mittendrin, als wäre es von langer Hand geplant und vorbereitet gewesen!? Wir entwickelten immer mehr Ideen und sprudelten förmlich über. Fast wie in unserer Realschulzeit während unserer unzähligen, gemeinsamen Referate… 😉

Besonders erinnere ich mich an zwei Kollegen, die definitiv begeisterter als ich von meinem Vorhaben waren und mich von der ersten Sekunde an als private Sponsoren unterstützten, obwohl ich noch nichts vorweisen konnte:
„Ich sehe, du gehst deinen Weg mit Jesus. Mehr brauche ich nicht zu sehen.“  Ein Satz, der mich persönlich sehr geprägt hat.

Gott schrie mir quasi ins Gesicht: Ich habe dir versprochen, dass ich mich kümmere und alles vorbereite, wenn du einwilligst. Ich spazierte durch den Wald und besprach einiges mit Gott: Wenn du willst, dass ich das mache, dann muss ich doch irgendwie die Sprache lernen!? Wie soll das gehen? Wer spricht in Ostfriesland schon Tagalog!?

Am nächsten Tag setzte sich mein Kollege neben mich. Er hatte keine Ahnung von meinem Vorhaben und erzählte mir, dass seine Frau ja von den Philippinen sei und gerade einem Mädchen wöchentlich Tagalog beibringe. So durfte ich seit Mai 2017 wöchentlich kostenlos Tagalog lernen und das quasi vor meiner Haustür.

Die Sommerferien waren ziemlich taff, da unsere Deadline für die Website (inklusive aller Fotos) der 20.08.2017 sein sollte. Am 21.08.2017 ging es für mich mit dem 10.Jahrgang auf Abschlussfahrt. In der Nacht vom 20. auf den 21.08.2017 gegen 4 Uhr war endlich alles hochgeladen, sodass es um 8 Uhr nach Berlin gehen konnte.

Wir bekamen viele Gelegenheiten, unser Projekt bekanntzumachen und mit Leuten ins Gespräch zu kommen, sei es durch Unterrichtseinheiten, Gemeindebesuchen, Altstadtfest, Hüttenzauber und vieles mehr. Außerdem schlug sich jeder mit Themen wie Impfungen, Visa und Versicherungen rum.

Ein besonders harter Abschied war für mich der Abschied aus dem Norden und vor allem der Fcso an der ich 1,5 Schuljahre arbeiten durfte. Monatelang hatte ich Respekt vor den letzten Schultagen. Ich war mir vollkommen bewusst darüber, dass ich auf dem richtigen Weg war und Gott mich nach Asien ruft aber die Zeit an der Fcso war eine unheimlich besondere Zeit, die mich und mein Leben besonders geprägt hat.
Der Gedanke an den letzten Schultag holte ziemlichen Respekt in mir hervor und den einen oder anderen Abend vergoss ich im Vorhinein bereits dicke Tränen. Nun zu sehen, wie sehr die Fcso – Schüler und Kollegen – hinter mir steht ist enorm und trägt sehr stark dazu bei, dass ich so gestärkt hier durchgehen kann. Nach dem Abschied und dem Auszug aus meinem geliebten Ostfrieslandhäuschen war ich beinahe etwas erleichtert. Erleichtert, es endlich hinter mich gebracht zu haben.

Zu wissen, dass Gott es gut mit mir meint und auch jetzt weiß wo der ideale Platz für mich ist und er gleichzeitig jeden einzelnen Schüler in seinen Händen hält, gibt mir unheimlich viel Kraft und Mut. Er ist der Einzige, der wirklich weiß was gut und richtig für mich ist und vor allem zu welchem Zeitpunkt (Auch wenn mein kleiner Verstand manchmal heftig rebellieren will).
Teach me your way, Lord, that I may rely on your faithfulness; give me an undivided heart, that I may fear your name. I will praise you, Lord my God, with all my heart; I will glorify your name forever. Psalm 86, 11+12

Manchmal kamen Menschen zu mir und sagten: „Ja, dass du so etwas machst, das wundert mich nicht. Wer, wenn nicht Du!?“ Das habe ich in so einigen Momenten ganz anders gefunden. Ich habe mich mit aller Kraft an der Gewissheit festgehalten, dass es Jesus war, der mich dorthin ruft und dass das alles ist, was ich wissen brauche.
In manchen Momenten war es das Einzige, das mich gehalten hat. Für manche schien die Vision undurchsichtig und eventuell schlecht durchdacht. Ich wusste nur eins: Geh auf die Philippinen und frag die Menschen dort, wo sie Hilfe brauchen. Gott macht den Rest, denn er hat es dir zugesagt.

Letztendlich kam ich zu dem Punkt: Ich gebe jegliche Sicherheiten auf und setze alles auf eine Karte aber weil Jesus diese Karte ist und es sein Weg und sein Projekt ist, bin ich am sichersten Ort und darf mit Versorgung, Wegweisung und Hilfe rechnen. Manchmal muss man erst alles loslassen, damit Jesus die Chance hat unsere Hände neu zu füllen.

Diejenigen, die uns auf unserer Reise begleiten, durften schon oft lesen, dass Gott sein Wort gehalten hat und er sich als bester Organisator erweist. Es ist einfach unglaublich. Es war alles vorbereitet und er ebnet die Wege. Die Menschen, die wir brauchen sind einfach da. Die Ressourcen werden geschaffen und Lösungen gefunden. Gott legt Menschen in Deutschland aufs Herz, uns zu unterstützen oder uns zu besuchen.
Gott spricht zu uns, gibt uns Visionen und Bilder und wir dürfen mutig vorangehen. Dinge laufen scheinbar komplett schief und du bist frustriert und genervt und plötzlich siehst du, es war unheimlich wichtig, dass es so läuft, weil wir zum Beispiel vor irgendetwas bewahrt worden sind, oder auf diesem Umweg eine wichtige Person kennengelernt haben, oder etwas Neues entdeckt haben, das für einen zukünftigen Einsatz wichtig ist.

Wir wurden schon mit vielen schweren Phasen konfrontiert: Dunkle Momente und Tage, dicke Tränen, persönliches Leid, Herausforderungen im Team und im Projekt, Unverständnis und andere Nöte. Es ist nicht so, dass du mit Gott an deiner Seite immer nur über saftige Wiesen tanzt aber weißt du, was uns so stark macht? Wir wissen, erleben und spüren, dass er bei uns ist, wenn es durch dunkle Täler geht. Jesus ist nicht gekommen, um die Stürme des Lebens vor uns wegzuhalten. Er ist gekommen, um mit uns sicher durch den Sturm zu gehen. Denn, dass Stürme im Leben kommen und dazu gehören, das steht außer Frage. Wir leben in dieser Welt.

Mir ist eine Sache hier bewusst geworden: Ich kann entweder auf mich mit meinen Stärken und Schwächen schauen, alles planen und organisieren wollen, und mein Leben mit meiner eingeschränkten Sichtweise, meinen Ängsten, Befürchtungen und Annahmen gestalten oder ich schaue auf denjenigen, dem gegeben ist alle Macht im Himmel und auf der Erde. Denjenigen, der alles sieht was war, was ist und was (für buhay, für mich/uns…) noch ansteht. Er hat den Überblick, fädelt die Dinge weise ein und vor allem: Seine Intention ist immer Liebe!

 

Make your own choice!

Have you ever seen the wonder
In the glimmer of first sight
As the eyes begin to open
And the blindness meets the light

If you have so say
I see the world in light
I see the world in wonder
I see the world in life
Bursting in living colour
I see the world Your way
And I’m walking in the light
Hillsong – Wonder

Comments.

  • Es berührt mich immer wieder diese Texte zu lesen und Bilder zu sehen.
    Viel Erfolg und vor allem Gottes Segen, er ist bei euch.
    Liebe Grüße Hilke F.
    Ps. Ich kann E- Mails momentan nur empfangen, nicht selber welche verschicken.

  • Liebe Hilke!

    Vielen Dank für deine mutmachenden Zeilen. Wie schön, dass Du alles mitverfolgst.

    Alles Liebe aus Manila!

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