Ankunft

Mabuhay!

Die ersten zwei Wochen sind nun vergangen und ich glaube, dass es mir bisher bei keinem Blogeintrag so schwergefallen ist, ihn zu schreiben wie bei diesem. Wir sind voller neuer Eindrücke und sehr dankbar, dass wir sowohl gestern als auch heute etwas Zeit hatten, um in Ruhe Gedanken sortieren, Begegnungen verarbeiten und neue Pläne schmieden zu können.

Am 09.01.2017 ging es los und wir drei, Laura, Moritz und ich (Joana), waren erfüllt mit Ruhe und Vorfreude, fest in der Gewissheit, auf dem richtigen Weg unterwegs zu sein. Unsere Flüge verliefen problemlos und nun standen wir, Moritz und Joana, da: Manila Airport.

Drückende Hitze. Lautstärke. Viele Menschen. Weit und breit niemand zu sehen, der ein Schild mit unserem Namen trug. Wir hatten für die erste Nacht ein Hostel gebucht und sollten eigentlich von einem Fahrer empfangen werden. Nachdem wir etwa 15 Angebote der Taxifahrer vor Ort abgeschlagen hatten, fanden wir einen Weg, an (kostenpflichtiges) Wifi zu gelangen, um die Rufnummer des Hostels ausfindig machen zu können. Der Anruf von deutscher Mobilfunknummer ging glücklicherweise direkt durch und wir verstanden zumindest, dass wir uns nicht wegbewegen sollten und der Fahrer in 15 Minuten da sein müsse. 35 Minuten und weitere 15 Taxiangebote später sah ich plötzlich ein Schild: JOANA KARLGUTH, gehalten von einem für unsere Verhältnisse kleinen Filipino, freundlich grinsend und genauso erleichtert, uns endlich zu sehen, da er uns auch schon seit zwei Stunden gesucht hatte. Wir können uns bis heute noch nicht so ganz erklären, wie das Ganze jetzt abgelaufen sein soll aber egal, wir saßen im Auto Richtung Hostel. Ersten Gespräche fanden statt und die ersten Eindrücke der philippinischen Hauptstadt bei Nacht wurden durch die Fensterscheibe gesammelt. Nach kurzer Zeit verließen wir die Hauptstraße und tuckerten durch eine sehr ärmlich erscheinende Seitenstraße und als hätte der Fahrer die Fragezeichen in unseren Köpfen hören können, sagte er: „Ach, wir fahren nun durch diese Seitengassen, um den Verkehr zu umgehen, ist doch in Ordnung, oder?“ Stille. Wir fragten uns, ob wir wohl wirklich eine Wahl hätten. Während ich diese Situation schildere muss ich grinsen, weil wir seitdem ständig durch Seitengassen getuckert sind, um den schrecklichen Verkehr etwas umgehen zu können, aber in diesem Moment kam doch etwas Verunsicherung auf: „Sure, if you reccomend…“ Der Weg führte uns über ein Basketballfeld hin zu unserem Hostel.

Laura kam mit einer anderen Verbindung und landete gegen Mitternacht in Manila. Wir hatten unserem Fahrer genau beschrieben, wie sie aussieht und ihr genau gesagt, wo sie stehen solle aber auch um 2 Uhr war noch nichts von ihr zu sehen. Weitere Kommunikationsversuche von deutscher Mobilfunknummer wurden gestartet. Sie entschloss sich ein eigenes Taxt zu nehmen und auch sie durfte es erleben, plötzlich von der Hauptstraße links in Nebengassen abzubiegen. Nun kam es jedoch noch besser: „Ok, your hotel is over there.“ „Where?“ „At the end of this road.“ „You want me to walk?!?!“ Der Fahrer konnte nicht verstehen, dass Laura als deutsches blondes Mädchen um 2.30 Uhr nicht alleine mit ihrem Gepäck durch ein Armenviertel laufen wollte. Ich muss sagen, ich persönlich bin sehr froh, dass Laura standhaft geblieben ist und war mehr als erleichtert, als wir uns endlich gegen 3 Uhr in den Armen hielten.

Gerädert vom Jetleg wurden wir am nächsten Tag abgeholt und in unsere aktuelle Unterkunft gebracht. Selbst die Filipinos grinsen darüber, dass wir auf so kleinem Raum zusammenleben. Aber wir lieben unsere Unterkunft und sind sehr dankbar dafür. Unser persönliches Highlight sind die ganzen Polizisten, die das Gelände Tag und Nacht stets mit einem Lächeln bewachen. Bewachen ist definitv das richtige Wort und so wurden auch wir mehrfach auf „Fehlverhalten“ hingewiesen: Kleidung zum Trocknen nicht über das Geländer hängen, nicht auf dem Gang sitzen, Musik nur im Apartment…

Aufregend war das Wiedersehen mit April und Jacob nach 10 Jahren (Ich habe sie bei einem früheren Kurzeinsatz auf den Philippinen kennengelernt). April ist Lehrerin in dem Armenviertel, an das unsere Unterkunft grenzt und Jacob ist ein Missionar und Pastor aus Santa Rosa, ein Gebiet im Süden Manilas. Während unserer gesamten Vorbereitungszeit in Deutschland haben wir daran festgehalten, kein Konzept nach deutschen Maßstäben für unsere Arbeit hier zu entwerfen. Wir hatten den Eindruck völlig frei hier ankommen zu sollen, im Vertrauen darauf, dass Gott vorausgegangen ist und alles bereits vorbereitet hat. Dieser Eindruck bestätigte sich beinahe umgehend. Wir lernten bereits am ersten Tag den örtlichen Pastor kennen, der wiederum ein Team aus Ansprechpartnern zusammengestellt hatte, die uns Tag und Nacht für jegliches Anliegen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sehr erfreut sind wir auch über den Taxifahrer aus der Gemeinde, der uns sobald wir anrufen stets mit Freude überall hinfährt. Als wir zusammensaßen fragte der Pastor: „Was genau wollt ihr machen?“

„Wir wollen mit dem, was wir haben und sind, dem Leid anderer begegnen. Wir wollen dienen. Wo wird Hilfe gebraucht?“

Der Pastor sagte, damit habe er jetzt nicht gerechnet und er sei unheimlich erleichtert, da wir dadurch die meisten Einsatzmöglichkeiten hätten, und er uns nicht erst aus unserem deutschen Denken, das für hier oft unrealistisch sei, herausholen müsse. In diesem Moment breitete sich eine tiefe Dankbarkeit bei uns aus, da die letzten Monate in Deutschland mit dieser „offenen“ Vision nicht sehr leicht gewesen waren.

Schnell stand unser Plan für die nächsten zwei Wochen. Er war gefüllt mit den verschiedensten Einsatzbereichen: Unterrichten, Sport, Tanz, Sunday School, Menschen auf den Payatas begegnen… Genaueres erfahrt ihr in einem separaten Eintrag.

Wir wenden uns immer wieder an Gott als den wunderbaren Ratgeber (Jesaja 9,6) und bitten um seine Weisheit, die er uns gerne geben will, wenn wir nicht weiterwissen (Jakobus 1,5). Denn schon jetzt gäbe es so viel Möglichkeiten, langfristig etwas auf – oder auszubauen und zu unterstützen. Unterstützung jeglicher Art wird hier gebraucht und wir wiederum sind dankbar für jeden, der uns vor Ort, im Gebet, durch Ermutigungen oder auf finanzielle Weise unterstützt. Uns geht es darum, das Geld genau in Gottes Sinne zu investieren und zu erkennen, was sein Wille ist. Außerdem beten wir für seine Liebe. Uns liegt es so am Herzen, jedem hier vorurteilsfrei mit bedingungsloser Liebe zu begegnen, aber aus eigener Kraft ist das nicht immer einfach. Wir haben bereits mit einigen Missverständnissen aufgrund kultureller Unterschiede zu kämpfen gehabt. Man fühlt sich angegriffen, provoziert oder vorgeführt und plötzlich stellt sich heraus, dass es „lediglich“ an den anderen Handlungs- und Denkweisen basierend auf der jeweiligen Kultur lag. An manchen Tagen bist du müde, erschöpft oder einfach mal genervt. Die Dinge funktionieren nicht so, wie du es dir gedacht hast oder dein Team handelt ganz anders, als du erwartet hättest. Dies führt uns immer wieder zu diesen zwei Schwerpunkten: Gebet um Weisheit und Liebe: „Wenn ich die Gabe der Prophetie hätte und wüsste alle Geheimnisse und hätte jede Erkenntnis und wenn ich einen Glauben hätte, der Berge versetzen könnte, aber keine Liebe hätte, so wäre ich nichts“ (1. Korinther 13,2).

Wir haben unheimlich viel erlebt und nehmen uns nun bewusst Zeit, alles sacken zu lassen und zu reflektieren. Ein zweiter Einsatz auf den Payatas ist bereits in der Entstehung und wir sind dankbar dafür, den letzten Einsatz mit Jugendpastor King nun reflektieren zu können und das neu Gelernte im Februar umzusetzen.

Oft wird man mit der Frage konfrontiert: Weshalb genau die Philippinen? Ist es nicht hier oder dort noch ärmer? Sicher gibt es noch ärmere Gebiete aber dann würde man sich in einer Endlosschleife befinden und nie irgendwo ankommen.

Wir glauben, dass es ausschlaggebend ist, seinen Platz zu finden.  Einen PLatz, an dem, das, was man hat, geteilt werden kann. Es spielt keine Rolle, ob Du auf den Philippinen, in Afrika, Kambodscha oder in Deutschland bist. Entscheidend ist für uns: Wie gehe ich damit um, dass der Überfluss der Welt so ungerecht verteilt ist? Wie kann ich mit dem was ich habe und bin, dem Leid anderer begegenen?

Was bedeutet überhaupt Überfluss? Überfluss an Geld und Gütern? Wie viel kostet dich ein Lächeln? Wertschätzung? Annahme? Wir wünschen uns bewusst zu leben und ein Auge dafür zu haben, was gebraucht wird. Viele Menschen laufen leer und verzweifelt durch diese Welt, auf der Suche nach Geborgenheit und Annahme. Wir sind überzeigt davon, dass Du mit deinem Leben einen Unterschied machen kannst. Genau da wo Du jetzt gerade bist. Halt Liebe, Anerkennung und Wertschätzung nicht zurück, denn jedes Leben ist wertvoll!

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